Dieser Beitrag zeigt, warum klassische Employer-Branding-Kennzahlen oft in die Irre führen, welche KPIs wirklich relevant sind und wie Arbeitgeberqualität messbar wird, ohne sie auf reine Zahlen zu reduzieren.
Employer Branding messen
Warum viele Kennzahlen täuschen und welche KPIs wirklich Aussagekraft haben
Employer Branding ist in vielen Unternehmen präsent, aber selten überprüfbar. Es gibt Karriereseiten, Kampagnen, Social Posts und Werteversprechen. Gleichzeitig bleibt oft unklar, ob all das tatsächlich Wirkung entfaltet oder nur gut aussieht.
Das Problem ist nicht fehlendes Engagement, sondern fehlende Messlogik. Viele Unternehmen messen Employer Branding mit Kennzahlen, die leicht verfügbar sind, aber wenig über Arbeitgeberqualität aussagen. Reichweite wird mit Wirkung verwechselt, und Aktivität mit Substanz.
Dieser Beitrag zeigt, warum klassische Employer-Branding-Kennzahlen oft in die Irre führen, welche KPIs wirklich relevant sind und wie Arbeitgeberqualität messbar wird, ohne sie auf reine Zahlen zu reduzieren.
Warum Employer Branding häufig falsch gemessen wird
Employer Branding ist komplex, weil es mehrere Ebenen verbindet: Kommunikation, Führung, Kultur und Arbeitsrealität. Trotzdem wird es häufig so gemessen, als wäre es ein reines Marketingthema.
Typische Fehler dabei sind:
Fokus auf Reichweite statt auf Passung
isolierte Betrachtung einzelner Kennzahlen
fehlender Bezug zur internen Realität
keine Verbindung zwischen HR-, Recruiting- und Kultur-Daten
So entstehen Dashboards, die gut aussehen, aber wenig erklären.
Warum Reichweite keine Arbeitgeberqualität misst
Likes, Impressions und Klicks sagen etwas über Sichtbarkeit aus, aber nichts darüber, wie Arbeit im Unternehmen tatsächlich erlebt wird. Ein Post kann viral gehen, obwohl Führung und Zusammenarbeit intern kritisch gesehen werden.
Das führt zu einer gefährlichen Verzerrung:
Je erfolgreicher die Außendarstellung, desto größer kann die Enttäuschung neuer Mitarbeitender sein, wenn die Realität nicht mithält.
Reichweite ist damit kein Wirkungsnachweis, sondern maximal ein Frühindikator für Aufmerksamkeit.
Was Employer Branding stattdessen leisten soll
Employer Branding hat nicht das Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern die richtigen. Es geht um Passung, Erwartungsklarheit und Glaubwürdigkeit.
Deshalb müssen KPIs drei Fragen beantworten:
Verstehen Bewerber:innen, worauf sie sich einlassen?
Passt die Arbeitgebermarke zur erlebten Arbeitsrealität?
Trägt Employer Branding zur Bindung bei oder erhöht es Fluktuationsrisiken?
Erst wenn diese Fragen messbar beantwortet werden, wird Employer Branding steuerbar.
Die drei Ebenen sinnvoller Employer-Branding-KPIs
1. Recruiting-Ebene: Passung statt Masse
Relevante KPIs sind hier nicht „mehr Bewerbungen“, sondern bessere.
Aussagekräftige Kennzahlen sind zum Beispiel:
Anteil qualifizierter Bewerbungen
Absprungrate im Bewerbungsprozess
Time-to-Hire in Relation zur Rolle
Frühfluktuation in den ersten 6–12 Monaten
Wenn Employer Branding wirkt, sinkt Frühfluktuation, weil Erwartungen realistischer sind.
2. Mitarbeiter-Ebene: Erleben statt Image
Hier wird sichtbar, ob die Arbeitgebermarke intern trägt.
Sinnvolle KPIs sind unter anderem:
Weiterempfehlungsbereitschaft (intern)
wahrgenommene Führungsklarheit
psychologische Sicherheit im Team
Entwicklungsperspektiven aus Mitarbeitendensicht
Diese Kennzahlen lassen sich über kurze, präzise Befragungen erfassen und über Zeit vergleichen.
3. Organisations-Ebene: Stabilität statt Aktionismus
Employer Branding wirkt langfristig oder gar nicht. Deshalb braucht es auch strukturelle Kennzahlen:
Fluktuationsquote nach Bereichen
Krankheitsmuster und Belastungsspitzen
interne Wechsel und Versetzungen
Wiederbesetzungsraten vergleichbarer Rollen
Diese KPIs zeigen, wo Arbeitgeberqualität stabil ist und wo sie bricht.
Warum isolierte KPIs wenig helfen
Ein einzelner KPI ist selten aussagekräftig. Erst die Verbindung macht Muster sichtbar.
Beispiele:
Hohe Reichweite + hohe Frühfluktuation → Erwartungsproblem
Gute Bewertungen + schlechte Teamwerte → Inkonsistenz
Niedrige Fluktuation + geringe Entwicklung → Stabilität mit Risiko
Employer Branding muss deshalb als System betrachtet werden, nicht als Kampagne.
Wie Arbeitgeberqualität nachvollziehbar messbar wird
Messbarkeit bedeutet nicht, alles zu quantifizieren. Sie bedeutet, Kriterien transparent zu machen.
Dazu gehören:
klare Bewertungsdimensionen
wiederholbare Messpunkte
Trennung von Wahrnehmung und Marketing
Einbezug der Mitarbeitendenperspektive
Gerade hier stoßen klassische Siegel und Rankings an Grenzen, weil Methodik und Perspektive oft unklar bleiben.
Transparente Ansätze wie hirebadge setzen deshalb auf klar definierte Kriterien und einen teamgetragenen Impuls, um Arbeitgeberqualität nachvollziehbar zu machen, statt sie nur zu behaupten.
Fazit: Employer Branding wirkt nur, wenn es überprüfbar ist
Employer Branding lässt sich nicht allein an Sichtbarkeit messen. Wirkung zeigt sich dort, wo Erwartungen passen, Führung erlebbar ist und Mitarbeitende bleiben, weil sie wissen, warum.
Wer Employer Branding messen will, braucht weniger Kennzahlen, aber die richtigen. Und vor allem den Mut, auch unbequeme Ergebnisse als Grundlage für Entwicklung zu nutzen.
Denn Arbeitgebermarken entstehen nicht durch Dashboards, sondern durch Konsequenz.
Arbeitgeberqualität messbar machen, ohne sie zu verzerren
Wenn Arbeitgeberqualität nachvollziehbar bewertet werden soll, braucht es klare Kriterien, transparente Prozesse und die Perspektive der Mitarbeitenden. hirebadge macht genau das sichtbar und schafft Orientierung jenseits von Reichweite und Selbstdarstellung.
Quellen und Einordnung
Forschung und Fachliteratur zu Employer Branding Wirkung und Passung
Gallup Engagement Index Deutschland: Bindung, Führung und Arbeitgeberattraktivität
Studien zu Early Turnover und Erwartungsmanagement im Recruiting
HR-Analytics-Ansätze zur Verbindung von Kultur-, Recruiting- und Fluktuationsdaten
Praxiswissen aus Organisationspsychologie und Employer-Branding-Strategie









