Siegel sollen Vertrauen schaffen – doch oft fehlt Transparenz. Lies, woran es liegt und welche Kriterien heute über Glaubwürdigkeit entscheiden.
Warum klassische Arbeitgebersiegel an Glaubwürdigkeit verlieren
Orientierungshilfe oder Marketinginstrument? Eine kritische Einordnung
Arbeitgebersiegel sollen eines leisten: Vertrauen schaffen. Sie sollen Bewerber:innen Orientierung geben, Arbeitgeberqualität sichtbar machen und Unternehmen dabei helfen, ihre Kultur nach außen zu kommunizieren.
Doch genau dieses Vertrauen bröckelt zunehmend. Klassische Arbeitgebersiegel verlieren an Glaubwürdigkeit – nicht, weil Arbeitgeberqualität unwichtig geworden ist, sondern weil die Mechanismen hinter vielen Auszeichnungen immer offensichtlicher werden.
Dieser Beitrag beleuchtet, warum das so ist, welche strukturellen Ursachen dahinterstehen und was Arbeitgeberauszeichnungen heute leisten müssen, um wieder ernst genommen zu werden.
Die ursprüngliche Idee von Arbeitgebersiegeln
Arbeitgebersiegel entstanden aus einem nachvollziehbaren Bedürfnis heraus:
Bewerber:innen wollten Orientierung im Arbeitsmarkt
Unternehmen wollten gute Arbeitsbedingungen sichtbar machen
Qualität sollte vergleichbar werden
Ein Siegel versprach:
„Dieses Unternehmen hebt sich positiv von anderen ab.“
In einer Zeit begrenzter Transparenz war das sinnvoll. Heute jedoch hat sich der Kontext grundlegend verändert.
Der Arbeitsmarkt ist transparenter geworden – Siegel nicht
Plattformen für Arbeitgeberbewertungen, soziale Netzwerke und persönliche Erfahrungsberichte haben die Informationslage massiv verändert.
Bewerber:innen vergleichen heute:
Arbeitgebersiegel auf Karriereseiten
Bewertungen auf externen Plattformen
Erfahrungen aus ihrem Netzwerk
Auftreten von Führungskräften und Unternehmen
Inkonsistenzen fallen sofort auf. Ein Siegel wird nicht mehr isoliert betrachtet, sondern stets mit der wahrgenommenen Realität abgeglichen.
Selbstselektion als strukturelles Kernproblem
Ein zentrales Problem vieler klassischer Arbeitgebersiegel ist die sogenannte Selbstselektion.
Wie Selbstselektion entsteht
Unternehmen melden sich freiwillig für Auszeichnungen an
Die Initiative geht häufig von Geschäftsführung, HR oder Marketing aus
Arbeitgeber mit strukturellen Problemen nehmen seltener teil
Das führt zu folgenden Effekten:
Keine repräsentative Vergleichsgruppe
Positive Verzerrung der Ergebnisse
Eingeschränkte Aussagekraft für den Gesamtmarkt
Methodisch ist das eine Schwäche – auch wenn es rechtlich zulässig ist.
Wenn Auszeichnung und Vermarktung verschwimmen
Viele Arbeitgebersiegel sind kostenpflichtig. Das ist grundsätzlich legitim und transparent ausgewiesen.
Problematisch wird es dort, wo:
Prüfprozess
Bewertung
Vermarktung
nicht klar voneinander getrennt sind.
Für Bewerber:innen entsteht dadurch schnell der Eindruck, dass Auszeichnung und Marketing eng miteinander verknüpft sind. Dieser Eindruck beeinflusst die Glaubwürdigkeit – unabhängig davon, ob er im Einzelfall zutrifft.
Der Perspektivfehler klassischer Siegel
Viele klassische Siegel bewerten Arbeitgeber aus einer Top-down-Perspektive:
Selbstauskünfte des Unternehmens
formale HR-Strukturen
dokumentierte Maßnahmen
Was dabei häufig zu kurz kommt:
das tatsächliche Erleben im Team Führung im Alltag
der Umgang mit Konflikten und Drucksituationen
Gerade Führung und Unternehmenskultur lassen sich nicht allein anhand formaler Kriterien bewerten.
Warum Bewerber:innen skeptischer geworden sind
Insbesondere jüngere Generationen hinterfragen Arbeitgebersiegel deutlich kritischer als früher.
Gründe dafür sind unter anderem:
höhere Wechselbereitschaft
größere Sensibilität für Authentizität
Erfahrungen mit Versprechen, die intern nicht eingelöst wurden
Ein Siegel wird daher nicht mehr als Beweis verstanden, sondern als Hypothese, die überprüft werden muss.
Transparenz als entscheidender Glaubwürdigkeitsfaktor
Die zentrale Frage lautet heute nicht mehr: Hat ein Unternehmen ein Arbeitgebersiegel?
Sondern: Wie ist dieses Siegel zustande gekommen?
Transparenz bedeutet in diesem Zusammenhang:
Wer hat den Prüfprozess angestoßen?
Wer wurde befragt – und wer nicht?
Welche Kriterien wurden angewendet?
Wie wird mit kritischen Ergebnissen umgegangen?
Je klarer diese Fragen beantwortet werden, desto höher ist die Glaubwürdigkeit einer Auszeichnung.
Wie man eine Mitarbeiterbefragung erfolgreich durchführt, liest du hier.
Warum teaminitiierte Ansätze an Bedeutung gewinnen
Zunehmend entstehen Modelle, bei denen der Impuls für eine Auszeichnung aus dem Team selbst kommt.
Solche Ansätze zeichnen sich dadurch aus, dass:
keine Selbstnominierung durch das Management erfolgt
Führungskräfte den Prozess nicht steuern können
die Perspektive der Mitarbeitenden im Mittelpunkt steht
Das verändert die Wahrnehmung grundlegend: Die Auszeichnung entsteht aus erlebter Realität – nicht aus strategischer Selbstdarstellung.
Arbeitgebersiegel im Spannungsfeld von Erwartung und Realität
Ein Arbeitgebersiegel kann:
Orientierung bieten
Vergleichbarkeit herstellen
Weiterentwicklung anstoßen
Es kann jedoch nicht:
Kultur garantieren
Führung ersetzen
individuelle Erfahrungen abbilden
Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo diese Grenzen offen benannt werden.
Was klassische Arbeitgebersiegel lernen müssen
Um langfristig relevant zu bleiben, müssen Arbeitgebersiegel:
ihre Aussagekraft realistisch einordnen
Methodik transparent machen
Marketing klar von Bewertung trennen
Mitarbeitendenperspektiven stärker berücksichtigen
Kritik nicht ausblenden, sondern integrieren
Nicht jedes Siegel muss alles leisten. Entscheidend ist, dass klar kommuniziert wird, was ein Siegel leistet – und was nicht.
Fazit: Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Logos, sondern durch Nachvollziehbarkeit
Klassische Arbeitgebersiegel verlieren nicht deshalb an Glaubwürdigkeit, weil Arbeitgeberqualität unwichtig geworden ist. Im Gegenteil: Sie ist wichtiger denn je.
Was sich verändert hat, sind die Erwartungen:
weniger Hochglanz
mehr Einblick
weniger Behauptung
mehr Erklärung
Die Zukunft von Arbeitgebersiegeln liegt nicht im Marketing, sondern in Transparenz, Methodik und Haltung.
Häufige Fragen zu Arbeitgebersiegeln
Sind Arbeitgebersiegel grundsätzlich unseriös?
Nein. Viele Siegel, darunter auch hirebadge® arbeiten mit klarer Methodik. Entscheidend ist, wie transparent Kriterien, Datengrundlage und Grenzen der Aussagekraft dargestellt werden.
Warum verlieren manche Siegel an Glaubwürdigkeit?
Häufige Gründe sind Selbstselektion (freiwillige Teilnahme), fehlende Trennung von Bewertung und Vermarktung sowie eine zu starke Top-down-Perspektive ohne ausreichende Einbindung der Mitarbeitenden.
Worauf sollten Bewerber:innen bei Arbeitgebersiegeln achten?
Auf Transparenz: Wer initiiert den Prozess, wer wird befragt, welche Kriterien gelten, wie aktuell sind die Daten und wie wird mit kritischen Ergebnissen umgegangen?
Welche Rolle spielt Transparenz bei Arbeitgeberauszeichnungen?
Transparenz entscheidet darüber, ob ein Siegel als belastbare Orientierung wahrgenommen wird oder nur als Marketing-Signal. Je nachvollziehbarer Methode und Grenzen, desto höher das Vertrauen.
Können Siegel eine gute Unternehmenskultur garantieren?
Nein. Ein Siegel kann Hinweise liefern, aber Kultur ist dynamisch und hängt stark von Führung, Teamrealität und Veränderungen im Unternehmen ab.
Was wäre, wenn Auszeichnungen aus dem Team entstehen?
Klassische Siegel stoßen an Grenzen, wenn sie nur von oben initiiert werden. hirebadge® verfolgt bewusst einen anderen Weg – getragen von Mitarbeitenden, nicht von Kampagnen.
Quellen und Einordnung
Edelman Trust Barometer
StepStone Employer Branding Report
Gallup Engagement Index Deutschland
Harvard Business Review: Authenticity und Employer Branding









